Sie sind hier: Startseite > Portrait > Interview 2011 F95

Interview 2011 F95

Quelle: Fortuna Aktuell / So, 13.02.2011

Spieler-Interview Michael Melka:

Seit knapp vier Jahren ist Torhüter Michael Melka nun schon bei der Fortuna. Im Sommer 2007 kam er von Borussia Mönchengladbach nach Düsseldorf. Bis heute stand er 89 Mal für die Rot-Weißen zwischen den Pfosten. Unter anderem stellte er dabei in der Saison 2007/08 einen bis heute gültigen Rekord für die 3. Liga auf, als er 802 Minuten ohne Gegentor blieb und feierte 2009 den Zweitliga-Aufstieg mit den Flingeranern. „Fortuna Aktuell“ sprach mit ihm über die aktuelle Saison, die jüngsten Ergebnisse, seine neue Herausforderung im Privatleben sowie einen besonderen Tag im September 2010 und seinen sportlichen Werdegang mit einigen Höhepunkten seiner Karriere.

FA: Michael, lass uns kurz einen Blick zurück auf das Montagabendspiel in München werfen. Vom Spielverlauf her ist der Punkt bei den 60er in Ordnung, oder?

Melka: Ich denke schon, vor allem auswärts. Zumal 1860 in der Tabelle immer noch knapp über uns steht, wenn auch nicht mehr sehr weit. Vielleicht waren wir in der zweiten Halbzeit sogar ein kleines bisschen besser, aber der erste Durchgang ging an die Löwen. Da hätten wir höher zurückliegen können. Aber natürlich lässt man auswärts Chancen des Gegners zu, wenn alleine sieht, wie viele Chancen wir uns zu Hause gegen vermeintlich stärkere Gegner erarbeiten. Von daher sollten wir zufrieden sein mit dem, wie es gekommen ist. Es hätte komplizierter werden können.

FA: Wie bewertest Du insgesamt den Saisonverlauf bis zum heutigen 22. Spieltag?

Melka: Es gab sicherlich Gründe für den schwachen Saisonstart. Aber genauso schnell haben wir uns ja da unten raus gekämpft. Von daher sollten wir dankbar sein, dass wir jetzt im „Niemandsland“, dem scheinbar sicheren Mittelfeld stehen, und wir wären auch damals nach sechs Startniederlagen hundertprozentig damit einverstanden gewesen, wenn uns jemand diese Entwicklung prophezeit hätte. Denn diese Tabelle vom 1. bis zum 6. Spieltag und von damals bis heute liest sich jetzt zwar ganz schön, ist aber reine Phantasie, die gibt es nicht.

FA: Ein besonderer Tag in der Hinrunde war für Dich sicherlich das Auswärtsspiel beim FC Ingolstadt, dem heutigen Gegner im Rückspiel, bei dem Du nach längerer Pause wieder als Nummer 1 im Tor stehen durftest. Aber nicht nur das Spiel war turbulent mit der 0:3-Niederlage, quasi zeitgleich kam einige Hundert Kilometer entfernt Deine Tochter Lia zur Welt…!

Melka: Ja, das war schon sehr unglücklich, dass sich diese beiden Ereignisse überschnitten haben. Es hätte alles passieren dürfen, nur nicht an dem Tag, zumal Lia auch für zwei Tage später ausgezählt war. Die Wochen davor waren nämlich ganz entspannt, und ich wollte unbedingt bei der Geburt dabei sein. Aber dann habe ich morgens noch nicht einmal mehr meine Frau telefonisch erreicht. Da war mir schon klar, was passiert. Und da ist man mit seinen Gedanken nicht mehr hundertprozentig beim Fußball. Da wünscht man sich nur, dass alle gesund und munter sind.

FA: Was aber keineswegs als Ausrede oder Entschuldigung für die anschließende 0:3-Pleite in Ingolstadt gelten soll?!

Melka: Nein, natürlich nicht. Aber vielleicht waren die Jungs ja genauso angespannt wie ich und hatten Mitleid mit mir (lacht)! Aber das war eben noch eines jener Spiele, in der sich die Mannschaft noch nicht so gefunden hatte. Alle haben davor gesagt, dass wir da unbedingt gewinnen müssen, sonst gewinnen wir nirgendwo mehr. Aber das ist natürlich Quatsch. Der Trainer hat dann ja einiges umgestellt, anders und letzten Endes richtig gemacht. Nur sollten wir auch Ingolstadt etwas Respekt zollen, weil die eine vernünftige Zweitliga-Mannschaft haben.

FA: Bleiben wir bei den Oberbayern und kommen zur heutigen Aufgabe gegen denselben Gegner. Was sin die Voraussetzungen für einen weiteren Heimsieg?

Melka: Der Vorteil für uns ist der, dass die Ingolstädter in ihrer jetzigen Lage eigentlich mehr gewinnen müssen als wir. Aber das darf für uns keine Rolle spielen. Ohnehin können wir das Hinspiel nicht mehr gutmachen. Die Punkte sind weg. Wir müssen einfach schauen, dass wir möglichst schnell 40 Zähler auf dem Konto haben.

FA: Aber ihr seid momentan drauf und dran, erneut eine phantastische Heimbilanz hinzulegen. Beflügelt das nicht noch ein bisschen?

Melka: Das ist richtig. Aber es werden auch wieder die Tage kommen, an denen wir nur unentschieden spielen. Selbst Borussia Dortmund gewinnt nicht all seine Heimspiele!

FA: Und wo steht die Fortuna dann am Saisonende?

Melka: Das Wichtigste sind wie gesagt die 40 Punkte und alles andere, was danach kommt, wäre ein Bonus. Aber ein einstelliger Tabellenplatz wäre schöner, ob das der neunte oder der siebte ist, das wissen nicht…

FA: Kurz zurück zu Ingolstadt und den Begleitumständen beim Hinspiel. Seit diesem 22. September bist Du Papa. Inwieweit hat sich Dein Leben da verändert?

Melka: Es ist wunderbar. Man wacht zusammen auf und ich spüre, wie sie morgens und mittags drauf ist. Das sind tolle Momente als Vater. Ich kann es mir gar nicht mehr anders vorstellen, und ich habe schon oft zu meiner Frau gesagt, dass ich gar nicht mehr weiß, wie es vorher war. Es ist einfach toll zu sehen, wie Kinder lernen. Ich wäre froh, wenn ich auch noch mal so schnell lernen könnte! Aber ich muss auch sagen, dass ich froh über meinen Job bin, der mir die Freiräume gibt, dass ich im Gegensatz zu anderen Vätern in meinem Freundeskreis, die Tag für Tag von 7-18 Uhr außer Haus sind, so viel Zeit mit meiner Tochter verbringen kann.

FA: Du sagst, dass Du dankbar für Deinen Job bist. In der letzten Saison konntest Du ihn als Ersatztorhüter bei der Fortuna nicht so häufig ausüben. War das auch eine Stärke von Dir, immer an Dich selbst zu glauben und Dich im Training anzubieten?

Melka: Na ja, es war schon ein schwieriges Jahr, zumal ich zunächst wegen einer Verletzung pausieren musste. Da hat es lange gedauert, bis ich wieder zu alter Stärke gefunden habe. In der Sommerpause hatten wir eine lange Vorbereitung mit vielen Spielen gegen unterklassige Mannschaften. Für Torjäger ist das super, für Torhüter eine Katastrophe… Von daher fehlte mir ein wenig die Spielpraxis. Aber dann lief es Stück für Stück besser, und zum Glück ist es dann auch insgesamt in der Mannschaft wieder besser gelaufen.

FA: Du hast – nicht nur bei der Fortuna – schon einige Höhepunkte als Fußballer erlebt. Wie sehr hast Du noch den Zweitliga-Aufstieg 2009 im Gedächtnis?

Melka: Sehr gut. Wobei ich ihn eher im Gedächtnis habe, dass von uns allen eine große Last abgefallen ist. Ich denke da weniger an die große Party, wobei ich mich gerne an die vielen jubelnden Fans zurückerinnere. Aber für den Verein war es einfach enorm wichtig, dass wir diesen Aufstieg geschafft haben.

FA: Auch im Fortuna-Trikot hast Du den noch gültigen Rekord in der 3. Liga mit 802 Minuten ohne Gegentreffer (inklusive zweier abgewehrter Elfmeter!) aufgestellt. Was bedeutet Dir dieser noch heute?

Melka: In dem Moment, in dem man solch einen Rekord aufstellt, kann man relativ wenig damit anfangen. Jahre später ist er schon viel mehr wert. Nur - wie so oft im Fußball halt - helfen die schönsten und tollsten Rekorde nichts, wenn du am Ende dein Saisonziel nicht erreichst. Denn trotz dieser tollen Serie zu Beginn der Spielzeit 2007/08, als wir die ersten acht Spiele keinen Gegentreffer kassiert hatten, sind wir am Ende nur Dritter geworden.

FA: Und Du warst schon einmal Deutscher Meister – bei den A-Junioren! Wann war das, welche Erinnerungen hast Du noch daran?

Melka: Oh, das ist ja schon so lange her (lacht). Ich habe ja acht Jahre bei Borussia Dortmund gespielt. Das war einfach eine sehr schöne Zeit, und unter unserem Trainer Michael Skibbe haben wir dann auch die Deutsche A-Junioren-Meisterschaft gewonnen (der BVB gewann von 1994-98 fünfmal hintereinander, Anm. d. Red.).

FA: Wann hast Du dich eigentlich dazu entschieden, Fußball-Profi zu werden, zumal Du ja eine abgeschlossene Ausbildung als Auto-Elektriker absolviert hast?

Melka: Das ist richtig. Ich habe die Ausbildung absolviert, aber mir war immer klar, dass ich mir mein Fußball mein Geld verdienen möchte. Weil wenn man es kann, gibt es nichts angenehmeres. Dazu kamen die Erfolge in der Jugend mit Dortmund, die mich noch einmal bestätigt haben. Zwar gab es auch einige Hindernisse auf meinem Weg. Aber zu den wichtigsten Personen gehörte dann zu Beginn meiner Profi-Karriere Holger Fach, der mich von Preußen Münster zu Borussia Mönchengladbach geholt hat. Er hat mir gleich gesagt, dass er mich zunächst für die zweite Mannschaft einplant. Aber mir war klar, dass die Chance größer ist, sich eher über die Amateur-Mannschaft für die Profis zu empfehlen als bei einem unterklassigen Traditionsverein. Der Weg von einer Amateurmannschaft ist da einfach nicht mehr so weit. Auch Uwe Kamps als Torwarttrainer war für mich damals sehr wichtig. Ich glaube, dass ich mit 23 Jahren erstmals in meinem Leben ein richtiges Torwarttraining gemacht habe.

FA: Wer waren die Idole Deiner Jugend?

Melka: Da ich aus der Gegend von Dortmund komme, hatte ich zu meiner Zeit dort ja genügend Vorbilder wie Stefan Klos, Toni Schumacher und später auch Jens Lehmann. Zu Gladbach hatte ich da noch gar keinen Bezug.

FA: Michael, wir danken für das Gespräch und wünschen Dir weiterhin eine sportlich erfolgreiche sowie gesunde Zeit in Düsseldorf und vielleicht ja auch eine neue Rekordserie im Fortuna-Trikot mit ganz vielen Spielen ohne Gegentreffer! (ah)



Steckbrief Michael Melka

Position: Torhüter
Trikotnummer: 1
Geboren: 09.07.1978
Größe: 1,96 m
Gewicht: 97 kg
Schuhgröße: 46
Nationalität: deutsch
Im Verein seit: 2007
Geburtsort: Castrop-Rauxel
Familienstand: Verheiratet

Stationen: Borussia Mönchengladbach, Borussia Dortmund, Hasper SV, Hammer SpVgg, FC Remscheid

Beruf/Ausbildung: Auto-Elektriker

Hobbies: Golf, Schlafen

Idol Deiner Jugend: Toni Schumacher

Mit welcher Person würdest Du gerne einen Tag die Rollen tauschen?
Felix Magath

In welchem Film hättest Du gerne die Hauptrolle gespielt?
Sommermärchen 2006

Welches Konzert hast Du zuletzt besucht?
Coldplay

Welche Homepage sollte man unbedingt anklicken?
www.michael-melka.de

Bestes Computerspiel: Tiger Woods Golf 10

Im Fernsehen sehe ich am liebsten Two and a half men

Größte Erfolge bislang: Deutscher A-Jugend-Meister, Aufstieg mit Fortuna in die 2.Bundesliga

Spielerstatistik:
Bundesliga - 8
2. Bundesliga - 18
3. Liga - 38
Regionalliga - 45

(Stand: 10. Februar 2011)