Sie sind hier: Startseite > Portrait > Interview 2011 WZ
Interview 2011 WZ
Quelle: WZ / Fr, 11.02.2011
Michael Melka's Interview mit der WZ
Westdeutsche Zeitung, AM 11. FEBRUAR 2011
Das Interview führte Matthias Goergens
Es ist ein ganz undankbares Ding für einen Torwart - dieses früher Tor zum 0:1 bei 1860 München. Ein scharf hereingebrachter Freistoß, den Fortuna-Schlussmann Michael Melka mit den Fäusten nicht erreicht und der von Kai Bülow eingenickt wird. Dass er anschließend mit einigen Paraden seine Mannschaft im Spiel hält, bleibt weniger in Erinnerung als dieser vermeintliche Patzer. Die WZ fragte bei dem 32-Jährigen nach.
Herr Melka, verfolgt Sie so eine Szene wie dieses Gegentor in München in Ihren Gedanken?
Melka: Im Spiel muss man so etwas schnell beseite schieben, das ist klar. Zumal es nicht die einzige Chance war, die 1860 München hatte. Am Ende ärgere auch ich mich darüber, dass wir nur einen Punkt da geholt haben, das Gegentor muss ich mit auf meine Kappe nehmen. Gleichzeitig überlegt man, was in so einem Moment besser laufen könnte. Ob ich meine eigene Stellung zum Ball hinterfrage oder meine Verteidiger besser dagegen stellen sollte.
Manche haben angesichts der Münchener Chancen von einem "dreckigen Punkt" gesprochen. Wie sehen Sie das?
Melka: Das sehe ich nicht so. Wenn die Heimmannschaft in der zweiten Hälfte nicht mehr aufs Tor schießt, darf man durchaus von einem verdienten Punkt sprechen. Vor der Halbzeit hatten wir auch einige Gelegenheiten, selbst wenn 1860 den Sack hätte zumachen müssen. Aber das haben wir alle gemeinsam verhindert, und ein Spiel dauert eben mindestens bis zur 90. Minute.
Wenn Sie am Sonntag auf den FC Ingolstadt treffen, schließt sich für Sie der Kreis. Zum Hinspiel kehrten Sie ins Tor zurück.
Melka: Wenn man das als ersten Spieltag sehen würde, wäre es tatsächlich so. Fakt ist, dass ich an einer guten Phase des Teams meinen Anteil habe. Ob ich damals reingekommen bin oder nicht, ist dabei unwichtig. Wir haben uns alle gemeinsam da unten rausgekämpft. Wenn uns an dem Tag einer gesagt hätte, wir würden zum Zeitpunkt des Rückspiels schon 29 Zähler haben, hätte das wohl kaum einer für möglich gehalten.
Für Sie war es ohnehin ein besonderer Tag durch die Geburt Ihrer Tochter, oder?
Melka: Insgesamt war es eine sehr schwierige Situation, denn sie war zwei Tage später ausgezählt. Ich konnte meine Frau schon morgens nicht mehr erreichen, wusste nicht, was zu Hause passiert. Meine Mannschaft steckte im Existenzkampf pur, ich stand nach über einem Jahr wieder bei einem Pflichtspiel im Tor. Das war alles andere als leicht, sich dann auf Fußball zu konzentrieren. Am Ende ist ja alles gut ausgegangen - sowohl bei unserem Kind als auch mit meinem Klub.
Wie haben Sie es denn zum Saisonstart aufgenommen, dass Michael Ratajczak weiterhin die Nummer eins sein würde?
Melka: Davon bin ich schon ausgegangen. Ich hatte mit nichts anderem gerechnet. Die Vorbereitung war für uns Torhüter nicht so gut geeignet, um uns auszuzeichnen. Und wenn etwas so gut läuft wie in der vergangenen Saison, reißt man es nicht auseinander. Dass es dann mit fünf Pflichtspiel-Niederlagen so brutal gegen uns läuft, konnte ja keiner ahnen. Wenn wir aus den ersten paar Spielen sechs oder sieben Punkte geholt hätten, wäre ich sicher nicht reingekommen.
Jetzt steht die Fortuna genau im Mittelfeld der Tabelle. Wie finden Sie das?
Melka: Wir sollten erst einmal alle zufrieden sein, dass wir schon zehn Punkte Abstand nach unten haben. Ein bisschen Demut tut da gut. Für viele waren wir schon abgestiegen, waren nach sechs Niederlagen in der Liga so gut wie fertig. Wir können uns nun wirklich nicht am 22. Spieltag ärgern, dass wir im Niemandsland der Tabelle stehen.
Was ist jetzt noch möglich?
Melka: Natürlich geht es immer weiter, wir wollen in den verbleibenden 13 Spielen bestmöglich punkten. Da sind wir gegenüber dem Verein und den Zuschauern in der Pflicht. Wenn wir schnellstmöglich die 40-Punkte-Marke vollmachen, haben wir richtig was geschafft. Wir sind aus einer sehr kniffligen Situation in einem schnellen Zeitraum herausgekommen. Das dritte Jahr in Folge solide in eine Zweitliga-Saison starten zu können, kann dann ganz neue Mittel und Wege freimachen.
Quelle: Westdeutsche Zeitung

